Erdbeben Museum

Bam City, Kerman Provinz, Iran 2004

Projekttyp: Entwurf

Bauherr: Stadt Bam

Funktion: Museum

Flächen: 30.000 m2

Erdbeben Museum – Ein Ort der Erinnerung und Aufklärung

Nach dem verheerenden Erdbeben in Bam City, bei dem über 30.000 Menschen ums Leben kamen, haben wir an einem internationalen Wettbewerb teilgenommen, um ein Erdbebenmuseum auf höchstem architektonischen Niveau zu entwerfen – ein Projekt, das in seiner Form einzigartig ist.

Als jemand, der selbst aus der Provinz Kerman, zu der Bam City gehört, stammt, kenne ich die lokalen Gegebenheiten und kulturellen Besonderheiten sehr genau. Der Wiederaufbau von Bam war für mich nicht nur ein architektonisches Projekt, sondern eine persönliche und menschliche Verpflichtung, da ich selbst Angehörige durch die Katastrophe verloren habe. Mein Beitrag zu diesem Museum war daher mehr als nur eine architektonische Arbeit – ich sah es als meine Pflicht, den Wiederaufbau aktiv mitzugestalten.

Ein Museum, das Leben und Tod thematisiert

Ich wurde gebeten, bei der Gestaltung des Earthquake Museums mitzuwirken, und für mich war sofort klar:
Je besser die Menschen in dieser Region über die Gefahren von Erdbeben informiert sind, desto eher werden sie auf solide, erdbebensichere Bauweise setzen und vorsichtiger mit diesem allgegenwärtigen Risiko umgehen.

Unsere ganzheitliches Konzept für das Museum verfolgte daher zwei wesentliche Ziele:

  1. Aufklärung & Prävention:
    • Das Museum soll Menschen, von Kindern und Schülern bis zur gesamten iranischen Bevölkerung, mit Wissen ausstatten, um das Bewusstsein für erdbebensicheres Bauen und das richtige Verhalten bei Erdbeben zu schärfen.
  1. Gedenken & Erinnerung:
    • Das Gebäude sollte zugleich eine Gedenkstätte für die mehr als 30.000 verstorbenen Menschen sein.
    • In der persischen Tradition haben Angehörige der Verstorbenen feste Rituale und treffen sich besonders jeden Freitag, um ihren Liebsten zu gedenken – dieser Ort sollte ihnen dafür Raum geben.

 

Architektur mit tiefer Symbolik

Das Museum ist nicht nur ein Gebäude – es erzählt eine Geschichte und reflektiert die Themen Leben, Tod und Wiederaufbau.

  • Glasfassade als Symbol für die Vergänglichkeit:
    Die vollständig verglaste Front des Museums wurde bewusst gewählt – das zerbrechliche Glas erinnert an die Fragilität des menschlichen Lebens und daran, dass alles, was existiert, vergänglich ist. Gleichzeitig vermittelt die Transparenz ein Gefühl von Leichtigkeit und Hoffnung.
  • Interaktiver Boden, der Bewegung simuliert:
    Teile des speziellen Bodens der Anlage sind so konzipiert, dass sie sich immer wieder leicht bewegen, um Besuchern die Realität eines Erdbebens vor Augen zu führen und ein nachhaltiges Bewusstsein für die ständige Wachsamkeit zu schaffen.
  • Gedenkpfad aus Glasstelen mit eingravierten Namen:
    Eine lange, durch das Gebäude verlaufende Linie aus Glasstelen, in die die Namen der Verstorbeneneingraviert sind, symbolisiert die Tragödie und den unaufhaltsamen Verlauf der Geschichte.
  • Monumentale Treppenanlage als Ort der Begegnung:
    Eine riesige Treppenanlage, die als Sitzgelegenheit für Besucher gedacht ist, durchschneidet das Gebäude – ein Ort des Zusammenkommens, der Reflexion und des Gedenkens.
  • Leuchtende Bühne als Symbol für das Weiterleben:
    Hinter dem Gebäude befindet sich eine hell erleuchtete Bühne, die für Veranstaltungen und Konzerte genutzt werden kann – ein Zeichen dafür, dass das Leben weitergeht, trotz aller Verluste.

 

Ein Ort der Erinnerung und der Zukunft

Dieses Museum ist nicht nur eine Gedenkstätte für die Opfer des Erdbebens, sondern auch ein Bildungszentrum für zukünftige Generationen. Es soll nicht nur an das erinnern, was geschehen ist, sondern auch dazu beitragen, dass Erdbebenrisiken minimiert werden – durch Wissen, durch Vorsicht und durch den richtigen Umgang mit der Naturgewalt.

Ein Ort, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinandertreffen – wo Erinnerung, Lernen und Hoffnung in einer einzigartigen architektonischen Sprache miteinander verbunden werden.